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Aggression
Steht Ihr Hund senkrecht
in der Leine, wenn er einen anderen Hund sieht? Knurrt er alle und
jeden an? Verbellt er fremde Menschen? Hasst er Kinder? Hat Ihr
Hund schon einmal einen anderen Hund, einen anderen Menschen oder
Sie selbst gebissen?
Aggression gehört zum
ganz normalen Verhaltensrepertoire!
Bei Hunden genau wie bei Menschen. Und genau wie Menschen müssen
Hunde lernen, sich in Konfliktsituationen angemessen zu verhalten,
ihr Aggressionsverhalten sozusagen zu dosieren. Der Anspruch "mein
Hund soll kein Aggressionsverhalten zeigen!" ist schlicht und
ergreifend unrealistisch. Wenn der Autofahrer hinter Ihnen Ihnen
fast in den Kofferraum kriecht, wenn der Hintermann in der Warteschlange
Ihnen andauernd seinen Einkaufswagen in die Fersen deut, wenn Ihr
Sitznachbar im Bus seinen I-Pod so laut gestellt hat, dass Sie seinen
Gehörschaden teilen können und jemand schon wieder seinen Hund in
Ihren Vorgarten hat …… lassen, dann werden Sie vermutlich AGGRESSIV!
Unseren Hunden ergeht
es nicht anders. Immer mehr Menschen und Hunde leben auf immer kleinerem
Raum zusammen. Hier sind Konflikte unvermeidlich! Und können nur
von zwei Seiten aus gelöst werden: Je enger das Zusammenleben, desto
mehr Rücksichtnahme ist gefragt!
Menschen, deren Hunde
aggressiv reagieren, stehen hier unter einem ganz besonderen Druck,
von Ihnen wird erwartet, dass sie ihre Hunde zur Räson bringen.
Und zwar zackig!
Gänzlich unabhängig von Gründen und Auslösern soll das verabscheuungswürdige
Verhalten "abgestellt" werden! Zumindest dann, wenn die Hunde "groß"
sind… Interessanterweise wird Aggressionsverhalten völlig unterschiedlich
empfunden, je nachdem, ob es sich um einen Papillon "niedlich!",
oder aber um einen Rottweiler "grausig!" handelt… Ebenso, wie bei
den kleinen Rassen das Aggressionsverhalten verniedlicht wird, wird
es bei den großen Rassen überhöht: Im klassischen Hundetraining
verlangen die "kernigen" Rassen nach ebenso "kernigen" Methoden.
Der angebliche "Aggressionstrieb" des Hundes wird durch erhebliches
Aggressionsverhalten des Menschen in "angemessene" Bahnen gelenkt.
Unserer Meinung nach ist
es hier in erster Linie der Mensch, der sich darin gefällt, "sich
den Hund untertan zu machen". Kein Hund zeigt Aggressionsverhalten
ohne Grund, weil es ihm Freude macht, oder gar um seinen Menschen
zu ärgern! Kein Hund, keine Rasse "benötigt Härte"! Kein Hund hat
es verdient, auf die Seite / den Rücken geworfen, in die Lefze oder
Leiste gekniffen zu werden, das Ohr verdreht zu bekommen, oder durch
erschreckende Reize traumatisiert zu werden! Schon gar nicht aus
dem schlichten Grund, dass sein Verhalten dem Menschen unangemessen
oder lästig erscheint!
Es ist eine traurige Tatsache,
dass die Menschen aggressiver Hunde Ihr Heil oft genau bei solchen
Trainern suchen, die mit umso heftigerer Aggression antworten. Weil
diese Menschen ja "Erfahrung mit Aggressionsverhalten" haben… Wir
meinen, dass der Weg aus der Aggression nur ein gemeinsamer sein
kann. Demnach kann und muss der Mensch lernen, seinem Hund sozialverträgliche
Strategien der Konfliktlösung vorzuleben!
Angst
Ebenso wie Aggression
gehört auch Angst zur "Grundausrüstung" eines jeden Lebewesens.
Angst bewahrt uns davor, uns in Gefahr zu begeben!
Unsere Hunde müssen mit
einer Menge Situationen zurechtkommen, die wir Menschen als unseren
ganz normalen Alltag empfinden mögen, die für unsere Hunde jedoch
höchst aufregend oder eben beängstigend sind. Ein Einkaufsbummel
in der Innenstadt gehört eben nicht zum naturgegebenen Repertoire
unserer Hunde!
Läuft alles gut, lernen
unsere Hunde schon im Welpenalter alles kennen, womit sie im ganz
normalen Menschenalltag so zu rechnen haben und klarkommen müssen.
Hunde, denen diese Sozialisierung fehlt, weil sie zum Beispiel im
Zwinger, auf der Straße, oder einfach nur gar zu ländlich groß geworden
sind, können hier erhebliche Ängste entwickeln. Dasselbe gilt leider
für solche Hunde, bei deren Sozialisierung der Mensch es zu gut
meinte und die durch Reizüberflutung nicht in der Lage waren, Umweltsicherheit
zu entwickeln.
"Er hat überhaupt keine
schlechten Erfahrungen gemacht!" hören wir ganz oft. Ein Mangel
an Erfahrungen kann ein Lebewesen jedoch ebenso tief traumatisieren
wie ein einschneidendes Erlebnis. Traumatische Erlebnisse im Leben
eines Hundes können heftige Schrecken, Attacken anderer Hunde, oder
z.B. Unfälle sein. Zu den traumatischen Ereignissen zählen jedoch
leider auch viele gängige Methoden der Hundeerziehung: Der gezielte
Einsatz von Schelle, Rappeldose oder Wurfkette hat kein anderes
Ziel, als ein Trauma zu etablieren, welches den Hund effektiv daran
hindert, ein bestimmtes Verhalten zu zeigen.
Nicht immer lässt sich
der Auslöser der Angst ohne weiteres feststellen, da sie auch durch
eine Fehlverknüpfung entstehen kann.
Ein Beispiel: Ein Hund gerät an einen Weidezaun, erhält einen Stromschlag
und sieht gleichzeitig einen Jogger. Die Situation "ein Jogger nähert
sich" kann (muss nicht!) beim Hund danach Angst auslösen.
Manche Ängste gehören
regelrecht zum "Standard": Tierarzt, Gewitter und Silvester zum
Beispiel.
Durch angemessene Sozialisierung
auf Umweltreize und den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung
kann der Mensch eine Menge tun, um seinen Hund vor Ängsten zu schützen.
Hat der Hund bereits Ängste entwickelt / Traumata erlitten, kann
der Mensch durchaus therapeutische Hilfestellung bieten.
Der Ansatz "Da muss der
durch!" oder die Gabe von Psychopharmaka zählen für uns nicht zur
therapeutischen Hilfestellung! Wie kann Hilfestellung stattdessen
aussehen? Eine vertrauensvolle Beziehung wird aufgebaut. Der Mensch
lernt, wann und wie er seinen Hund schützen kann und muss. Der Hund
erhält Trainingsaufgaben, die sein Selbstbewusstsein stärken. Mensch
und Hund lernen, angstauslösende Situationen als Team zu bewältigen.
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